Teil 1 - Sockelprofil herstellen und Innenecke ausbilden: Tipps & Tricks - Fassadenbekleidungen mit PREFA Sidings

Die vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF) hat sich seit Jahrhunderten als bauphysikalisch absolut sicherer Wandaufbau bewährt, sofern man den Konstruktionsgrundsatz – Dampfdiffusionswiderstand von innen nach außen abnehmend – berücksichtigt. Probleme mit Kondensatfeuchte (Tauwasserausfall) entstehen damit erst gar nicht. Die Fassadenbekleidung bietet mit unterschiedlichen Materialien, Farben und Oberflächen eine Vielzahl an individuellen Gestaltungsmöglichkeiten. Zudem schützt sie das Gebäude vor äußeren Einflüssen, wie Niederschlag, Hitze und Schall. Wir zeigen die einzelnen Arbeitsschritte, von der Planung bis zur Befestigung mit der PREFA-Aluminium-Verbundplatte, einem Composite-Werkstoff.

Vor mittlerweile 30 Jahren wurde bei der PREFA der erste Siding produziert und über die Jahre hat sich das Sortiment kontinuierlich vergrößert. Alleine das Standardfarbprogramm umfasst 24 verschiedene Auswahlmöglichkeiten, wozu auch drei Holz-, zwei Stein- und drei Metalloptiken zählen. Auch Sonderfarben bis hin zu verschiedenfarbig schimmernden Beschichtungen sind auf Wunsch realisierbar.

Die Oberfläche kann entweder glatt, stucco, oder mit der PREFA spezifischen X-Prägung beschaffen sein. Der Siding ist sowohl mit, als auch ohne Schattenfuge erhältlich. In der Ausführung mit Schattenfuge ergibt sich zudem die Möglichkeit, die Fassade im „wilden Verband“ zu verlegen. Das heißt beim glatten oder stucco designierten Siding sind alle Baubreiten in 138, 200, 300 und 400 mm (Siding.X ab 200 mm) miteinander ohne festes Schema reihenweise beliebig wechselnd kombinierbar, auch mehrfarbig in einer Fassade. Zu beachten ist lediglich, dass die maximale Länge des Sidings,  bedingt durch die thermisch bedingte Längenänderung beim Einsatz der stirnseitigen „Fugen“ auf 2.500 mm beschränkt ist. Ansonsten fertigt PREFA die Sidings objektbezogen auf Maß zwischen 500 und 6.200 mm. Ob vertikal, horizontal oder diagonal verlegt – alles ist möglich.

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Infokasten

Lüftungsprofile bei Öffnungen an der Fassade (Sockelbereich, oberer Abschluss am Dachrand, Fensterbrüstung, Stürze, usw.) sind gem. DIN 18516-1 erst ab einem Öffnungsmaß von ≥ 20 mm erforderlich. Darunter kann darauf verzichtet werden, da es nicht als Insektenschutz fungiert, wie man oft fälschlicherweise meint. Der Schutz dient vorwiegend gegen Kleintiere. Insekten nisten sich erfahrungsgemäß auf Grund der ständigen „Zugluft“ im Hinterlüftungsspalt nicht ein.

Die Verwendung eines Wetterschenkels bzw. Sockelprofils ist ebenfalls keine Pflicht, sondern reine Geschmackssache. Befindet sich unterhalb der Metallfassade eine Putzoberfläche, muss die Tropfkante allerdings mindestens 20 mm überstehen.

Kommt ein Sockelprofil zum Tragen, muss es dementsprechend an Ecken und Kanten angepasst werden. So kann man den Anfang mittels Quetschfalte sauber schließen. Die Innen- bzw. Außenecken reißt der Handwerker zunächst an, wie auf den anschließenden Bildern dargestellt. Die Maße werden an der  Vorderkante der Unterkonstruktion abgenommen. Dabei nicht vergessen, die Breite des waagerechten Schenkels beim Übertragen aufs Kantteil an der Falzkante zuzugeben.

Ausgangspunkt fürs Anreißen der Ausklinkungen ist immer der Schnittpunkt auf der Vorderkante Unterkonstruktion der Gebäudeecken, wobei diese bei der Innenecke am aufgehenden Schenkel und bei der Außenecke am nach unten geneigten Schenkel angezeichnet wird. Von dieser Linie aus konstruiert der Fassadenbauer den dreieckigen Ausschnitt. Dabei lässt er auf einer Seite eine cirka 1 cm breite Lasche stehen, die nach dem Umfalzen der Ecke als Unterdeckung dient. Diese Ecken müssen nicht wasserdicht ausgeführt werden. Wenn darunter beispielsweise die Dämmung oder dergleichen geschützt werden muss, ist diese separat durch geeignete Mittel abzudichten. Am Stoß klinkt man am unteren Schenkel die Rückkantung etwa 15 mm leicht schräg aus und steckt die Profile zusammen. So liegen sie sauber übereinander und können sich zwängungsfrei ausdehnen. Am Stoß auf keinen Fall vernieten oder verschrauben.

Fixiert wird der Wetterschenkel mit Nägeln oder Nieten, jedenfalls mit flächenbündigen Befestigern, da unmittelbar darauf noch das Startprofil für den Siding geschraubt wird.

Über den Autor

Thomas Weiß ist Zimmermeister und für die Schulungen in der PREFA Academy in Neu-Ulm verantwortlich. Zudem vertritt er die Firma PREFA als Marktpartner bei DachKomplett und beim Fachverband vorgehängte hinterlüftete Fassade (FVHF) als Mitglied. Dieses Jahr war er u. A. als Gastreferent beim „KLEMPNERTREFF digital“ und beim „Bayerischen Spenglerforum“ eingeladen.

Unterkonstruktion und Dämmung

Als Unterkonstruktion an dem Modell handelt es sich um Produkte der Firma BWM mit stabförmigen Tragprofilen aus Aluminum. Die Systeme der verschiedenen Hersteller basieren alle auf dem gleichen Prinzip: Festpunktkonsole, Gleitpunktkonsolen, Verankerungsmittel (Dübel), Verbindungsmittel (selbstbohrende Spezialschrauben oder Spezialnieten) zwischen Konsolen und horizontalem oder vertikalem Tragprofil (i. d. R. 2,0 mm T- oder L- Profile aus Aluminium).

Da die Wandkonsolen punktuelle Wärmebrücken darstellen, die bei der U-Wert-Berechnung berücksichtigt werden müssen, gibt es diese aufgrund der unterschiedlichen λ-Werte aus verschiedenen Materialien, wie beispielsweise Glasfaserkunststoff, Edelstahl oder Aluminium. Letztere verursachen bei gedämmten Fassaden aufgrund der guten Wärmeleitfähigkeit des Materials einen sehr hohen Wärmebrückenaufschlag in der Berechnung des Jahresprimärenergiebedarfs.

Alternativ sind auch Unterkonstruktionen aus Holz möglich, allerdings setzen dabei die Anforderungen an den Brandschutz Grenzen.

Die Abstände der Tragprofile und Konsolen untereinander werden von vielen Faktoren beeinflusst. Entscheidend ist zunächst die Tragfähigkeit des Untergrundes (Beton, Vollstein, Lochstein, Porenbeton, usw.), die Ausladung (Dämmung + Hinterlüftungsebene), Gewicht der Fassadenbekleidung und die Windlasten. Bei der Sidingfassade beträgt der maximale Abstand der Tragprofile 80 cm. Die Statik hierfür erstellt häufig der UK-Hersteller oder darauf spezialisierte Planungsbüros. Vor allem bei Sanierungen gibt es häufig keine Unterlagen über die Tragfähigkeit der Wand. In diesem Falle können Anwendungstechniker der verschiedenen Dübelhersteller über Auszugsversuche am Objekt die statischen Werte ermitteln.

In den meisten Fällen wird wegen der Wirtschaftlichkeit ein Fassadendübel aus Kunststoff mit einer galvanisierten Schraube als Verankerungsmittel verwendet. In dieser Kombination ist der Schraubenkopf zwingend mit einem bituminösen, ölhaltigen Mittel gegen Korrosion zu schützen, oder die Schraube ist aus rostfreiem V4A Stahl.

Bei der Dämmung ist darauf zu achten, dass diese für den Anwendungsfall „Außendämmung der Wand hinter Bekleidung“ (WAB) geeignet ist. In Verbindung mit metallischen UK-Systemen eignen sich am besten mineralische Dämmstoffe, da diese leicht einzubringen, schon hydrophobiert sind und den geforderten Strömungswiederstand ohne zusätzliche Fassadenbahn erfüllen. Die Fassadendämmung muss gemäß Herstellerangaben immer verdübelt werden (meist 5 Stk./m²). Einflussfaktoren der Dämmstoffdicke sind der geforderte U-Wert, der λ-Wert, der U-Wert der bestehenden Wand und nicht zuletzt die Wärmebrücken durch Verankerung.

Große Beachtung findet der Brandschutz bei Fassaden. Je nach Landesbauordnung des jeweiligen Bundeslandes können schon ab Gebäudeklasse (GK) 3 Brandsperren notwendig sein. In den meisten Bundesländern sind diese erst ab GK 4 erforderlich, also bei Gebäuden mittlerer Höhe (Definition: ≥ 7 m vom mittleren Geländeverlauf bis OKF von möglichen Aufenthaltsräumen) Bei UK aus Holz muss diese in jedem zweiten Geschoss im Bereich der Brandsperre getrennt sein und der Hinterlüftungsspalt darf nicht  mehr als 50 mm (bei rein metallischer UK: 150 mm) betragen. Sinn und Zweck der Brandsperre ist eine Reduzierung des Hinterlüftungsquerschnitts auf 100 cm²/lfm Wand um eine Brandausbreitung im Hinterlüftungsspalt zu verringern. Eine interessante Lösung bietet die Deutsche Rockwool mit dem „Fixrock BWM Brandriegel-Kit“.

TIPP: Auskunft zum Brandschutz können die Gebäudeversicherer (z.B: Versicherungskammer Bayern) erteilen

Schritt 1: Anreißen der strinseitigen Quetschfalte am Sockelprofilabschluss

Schritt 2: … mit Quetschfalzzange biegen

Schritt 3: Mit dem Kunststoffhammer die Fälze schließen.

Schritt 4: Fertiger stirnseitiger Abschluss des Sockelprofils.

Schritt 5: Innenecke anreißen und ausschneiden.

Schritt 6: Umkanten der Innenecke / Innenecke falzen.

Schritt 7: ... und schließen. 

Schritt 8: Ausrichten und Fixieren der Sockelprofile an der Unterkonstruktion.

Schritt 9: Längsstoßüberlappung am unteren Schenkel ca. 15 mm schräg ausklinken

Schritt 10: Sockelprofil – Stoßausbildung

Schritt 11: Außenecke anreißen und ausarbeiten. 

Schritt 12: Außenecke falzen.

Schritt 13: Mit dem Nietgerät an der UK verbinden.