Das Agrarzentrum im Salzburger Pinzgau ist kein klassischer Neubau. Dies eröffnet sich dem Betrachter schon beim allerersten Anblick des prĂ€gnanten Baukörpers. Die groĂzĂŒgig durchbrochene, vorgesetzte Lattenfassade mit ihren ĂŒber beide Geschosse reichenden zarten Holzpfeilern ist dafĂŒr ausschlaggebend. VerhĂŒllung und Durchbruch, könnte man meinen. Die zweimalige Nominierung des 2016 fertiggestellten GebĂ€udes beim Rosenheimer Holzbaupreis 2020 und beim hoch dotierten Constructive Alps 2017 nimmt PREFARENZEN zum Anlass, sich mit dem Architekten ĂŒber das Projekt zu unterhalten.
Architekt Simon Speigner
Dem Pionier seine Visionen
Simon Speigner, GrĂŒnder und Leiter von spsĂ·architekten aus dem Salzburger Thalgau, bekam vor einer Dekade fĂŒr die Planung einer Passivwohnanlage im naturgeschĂŒtzten Landschaftsteil Samer Mösl, bei Salzburg Stadt gelegen, den Ăsterreichischen Staatspreis fĂŒr Architektur und Nachhaltigkeit verliehen. Die vier sechsstöckigen Wohnbauten auf den Grazer ReininghausgrĂŒnden gelten zudem als gröĂtes Holzwohnbauprojekt Ăsterreichs. Auch mit der Ausweichstation des LKH Graz wurde 2017 nach Speigners PlĂ€nen der landesweit erste Krankenhausbau in Holzmodulbauweise fertiggestellt. Im selben Jahr erhielt er fĂŒr seinen âinterdisziplinĂ€ren, umfassenden Energiecluster mit BĂŒrohaus, Turbinenhaus und angrenzender Fischtreppeâ (Zitat: Czaja, Wojciech fĂŒr derStandard online, Oktober 15, 2017), den er selbst als âKulturkraftwerkâ mit dem Namen âoh456â bezeichnet, erneut den Ăsterreichischen Staatspreis. Berge, Seen, TĂ€ler wie Natur ganz allgemein dienen ihm bis heute als wichtigste Inspirationsquelle, weshalb es den gebĂŒrtigen Salzburger nach Abstechern des Studiums wegen nach Graz und Wien wieder dorthin zurĂŒckzog. Als Dozent unterrichtet Simon Speigner seit 2005 sporadisch an der FH Salzburg in Kuchl im Studiengang Baugestaltung-Holz (bgh) wegweisende Theorie ĂŒber progressive Passiv- und Plus-Energie-Bauweisen.
Diskussionen eines Daches wegen
Begonnen hat alles 2014, als spsĂ·architekten EntwĂŒrfe beim Wettbewerb zur Gestaltung eines gemeinsamen BĂŒrogebĂ€udes (Bezirksbauernkammer, Maschinenring und Viehzuchtverband) einreichten. Gegen vier andere Bewerber setzte man sich trotz der Auslobung eines geneigten Daches mit einem GebĂ€ude, das in Holz- und Lehmbauweise sowie mit einem Flachdach umgesetzt werden sollte, durch. Insbesondere Letzteres fĂŒhrte innerhalb der Gemeinde jedoch zu so vehementen Protesten, dass man sich gezwungenermaĂen der eher konservativen und traditionsbewussten Bauherrschaft fĂŒgte. Schlussendlich fĂŒhrte man ein Dach mit leichtem Neigungswinkel und aufgesetzter PV-Anlage aus. Simon Speigner erwĂ€hnt jedoch einen durchaus positiven Nebeneffekt dieser âverlorenenâ Debatte: âFĂŒr den Innenraum und das gesamte Raumerlebnis war dies rĂŒckblickend gar nicht so unvorteilhaft, selbst wenn die Idee hinter dem Flachdach die war, dass die dahinterliegende historische Viehauktionshalle noch sichtbarer geblieben wĂ€re.â Dass es eine zweite Bauphase fĂŒr ein eigenes GebĂ€ude zur Unterbringung des Viehzuchtverbandes geben soll, freut den Architekten, da dies auch Teil der ursprĂŒnglichen Planung war.
Den zentralen Anlaufstellen einen wahren Standort geben
Die groĂe architektonische Leistung von Speigners ArchitekturbĂŒro ist die Reorganisation der gesamten Platzarchitektur im Einklang mit den Bestandsbauten, wodurch ein zuvor fehlender, zentraler und zu allen Seiten hin offener Marktplatz im besten Sinne der griechischen Agora innerhalb des GebĂ€udeensembles geformt werden konnte. Es fand so zudem straĂenseitig seinen zuvor inexistenten Abschluss. Historisches HerzstĂŒck dieses Ensembles ist eine bereits 1951 errichtete, gedeckte Arena. Hier buhlen, wie in einem Theater auf RĂ€ngen sitzend, die Höchstbietenden um die schlagende Hammersgunst des Auktionators und gleichsam um die zu ersteigernden Tiere, die im Parterre in die Halle gefĂŒhrt werden.
Die Nachhaltigkeitsgedanken weiterspinnen
Auf die Frage hin, welche BeweggrĂŒnde es dafĂŒr gab sich bei der Umsetzung der 800 mÂČ groĂen DachflĂ€che fĂŒr Aluminium zu entscheiden, sagte der Architekt, der wĂ€hrend des gesamten Interviews hier und da in erdiges Salzburgerisch verfiel, Folgendes: âWir vertreten den Punkt, dass beim ökologischen Bauen alles, das wir in den Kreislauf bringen, irgendwann wieder entsorgt oder in den Kreislauf zurĂŒckgefĂŒhrt werden muss. In Maishofen haben wir ökologisch nachhaltigen Lehm verputzt, einen GroĂteil des GebĂ€udes in Holz ausgefĂŒhrt und ein Aluminiumdach daraufgesetzt. Da sind wir fĂŒr den jetzigen Zeitpunkt anderen voraus oder heben uns vom herkömmlichen Bauen ab. Aber da ist man, weiter blickend, noch lange nicht am Ende des Möglichen!â
Und auf die eco2-Zertifizierung von Prefalz in der Schweiz aufmerksam gemacht und bezĂŒglich der generellen Zertifizierung nachhaltiger Produkte im Bausektor angesprochen, erwidert Herr Speigner: âEs war ja witzig, dass dieser âZertifizierungswahnâ â sei es seitens ĂGNI, DGNB, ecobau oder klimaaktiv, wie sie nicht alle heiĂen â vor ein paar Jahren in der Immobilienwirtschaft ein ernstzunehmendes Thema geworden ist und zwischenzeitlich auch in fast allen Bauvorhaben BerĂŒcksichtigung findet. Man stellt sich die Fragen: âWas baue ich?â und âWie baue ich?â Nun, durch COVID und die Auswirkungen auf die Branche fĂŒhlt es sich wie eine âZeit der Offenbarungâ an, nicht? Und ich sage das jetzt aus der Perspektive, dass mich Themen wie Bauökologie schon Anfang der 90er im Studium interessierten. Deshalb habe ich meine Diplomarbeit auch darĂŒber verfasst. AuĂerhalb des universitĂ€ren Bereiches wurde da viel zu lange nicht darĂŒber gesprochen. Ein Umdenken innerhalb der Branche erkennt man daran, dass nun Materialeigenschaften bei der Wohnbauförderung endlich BerĂŒcksichtigung finden.â
Ein 800 Quadratmeter Dach in Prefalz P.10 Anthrazit
Der Spengler Martin Rathgeb stellt retrospektiv fest, dass die AusfĂŒhrung des leicht geneigten Daches mit dem Produkt Prefalz in P.10 Anthrazit die einzig logische Bekleidung fĂŒr einen Holzbau in Maishofen sei, da diese Materialwahl im Pinzgau â âdem Land der MetalldĂ€cherâ â absolut ĂŒblich ist. Die PraktikabilitĂ€t und DurabilitĂ€t der PREFA DĂ€cher haben sich speziell in dieser Region immer wieder bewĂ€hrt, was der PREFA Objektberater fĂŒr den Salzburger Raum und angrenzende Bereiche Oberösterreichs, Peter Kopp, wie folgt erklĂ€rt: "Der Grund dafĂŒr liegt schlichtweg in der idealen TragfĂ€higkeit des Falzdaches, wodurch die hohen Schneemassen im Winter kein Problem darstellen.â Zudem ist der damit eng verbundene RĂŒckstau des Schmelzwassers besser zu bewerkstelligen. Peter Kopp sagt resĂŒmierend: âNicht zuletzt ist es seiner Herstellung aus SekundĂ€raluminium geschuldet, dass ein in Nachhaltigkeit Ă€uĂerst bewandter Architekt wie Simon Speigner mit Prefalz arbeitete.â
Agrarzentrum in Maishofen - Details
Land: |
Ăsterreich |
Objekt, Ort: |
Agrarzentrum, Maishofen |
Kategorie: |
Neubau |
Architektur: |
sps architekten zt gmbh |
Verarbeiter: |
Spenglerei Rathgeb GmbH |
Material: |
|
Farbe: |
P.10 Anthrazit |
weitere Infos:
- Text: Marlon T. L. Fink
- Foto: Andrew Phelps
- Baustellenfoto: Spenglerei Rathgeb
- PortrÀt Architekt, Lageplan, GebÀudeschnitte: Simon Speigner