Raute trifft Industrie

Durchbrochene Hülle? In Kurtatsch an der Südtiroler Weinstraße (IT) imponiert ein matt-schwarzer Industriebau an der Etsch – und zwar mit einer Architektur, die verrät, was in ihr steckt und sich auf ihre natürliche Umgebung bezieht. Damit haben auch gezielte Einschnitte in die Fassade zu tun.

Nachhaltig – selbstverständlich

Für Architekt und Bauherr war neben einem stilvollen Design, welches die Firmenidentität verkörpert, auch das Thema Nachhaltigkeit zentral. „In den nächsten Jahren soll unser Firmensitz CO₂-neutral werden, das betrifft zum Beispiel Wärmepumpe, Sonnenenergie und Photovoltaik“, lässt CEO Robert Blaas durchblicken. Er verantwortet die Marketingaktivitäten der Firma, betreut auch Afrika und den Nahen Osten. „Wir sind mit 25 Tochtergesellschaften in 60 Ländern präsent und setzen auf eine schnelle Entscheidungsfindung sowie kurze Wege. Bei unserer Erweiterung hier in Kurtatsch haben wir auf Verarbeiter zurückgegriffen, die zu unserem Kundenstock zählen.“ Mit seiner Langlebigkeit passe auch das recyclingfähige Aluminium zur umweltfreundlichen Firmenphilosophie.

Über den Zweck hinaus

Der Punkt wurde schließlich erreicht, an dem der Bau – der als Zentrallager für alle Tochtergesellschaften dient – erweitert werden musste, um eine größere Kapazität für Palettenstellplätze zu erreichen. Zweck und Nutzen standen hier planerisch eindeutig im Vordergrund, betont Robert Blaas. Doch mit der durchbrochenen, rhomboiden Aluminiumhülle und der Holzfassade mit leichten Vertiefungen zeigt Lukas Burgauner, dass zweckmäßiges Bauen nicht automatisch spannende, auffällige Architektur ausschließen muss. Eine Besonderheit: Da das Unternehmen im Holzbau tätig ist, zählte es auf Bauherrenseite zu den Voraussetzungen, dass das Hochregallager ebenfalls ausschließlich mit Holz gebaut wurde. Die Holzfassade, die neben der Hülle aus Aluminium teilweise nach außen hin sichtbar ist, verweist auf die gelagerten Lösungen für den Holzbau im Inneren. Das Material ist hier also eindeutig Programm.

Aufgrund der resultierenden Verwitterung wäre es auf lange Sicht jedoch mit hohen Kosten verbunden gewesen, die gesamte Hülle in Holz auszuführen. Daher fand der Architekt mit der Raute von PREFA eine ideale Fassadenlösung: „Wir haben PREFA hier eingesetzt, weil es uns sehr gut in unser Designkonzept passt. Hinzu kommt, dass sich das Material dank der schnellen Montage und der Möglichkeit, es großflächig zu verlegen, ideal für Industriefassaden wie diese eignet“, erzählt Burgauner.

Idee im Berg

Beim Betrachten der ca. 5000 m² umfassenden Fassade staunt man unwillkürlich über Größenverhältnisse und die Rolle, welche die umliegende Gebirgslandschaft für ihr Erscheinungsbild spielt. Das ursprüngliche Bauvolumen von 72.000 m³ wurde um 75.000 m³ erweitert und somit praktisch verdoppelt. Aufgelockert wird dieses Volumen durch das spezielle Design der Fassade, die mit unregelmäßigen Durchbrüchen rhythmisiert ist.

Die „Schlitze“ wurden auch deshalb gesetzt, weil sie bereits in der Fassade der zweiten und dritten Erweiterung der Firmenzentrale zu finden sind. Sie ermöglichen einen vermeintlichen ‚Blick ins Innere‘ und wurden von der Natur inspiriert: „Die Kar, die man hier im Hintergrund sieht, war die Initialzündung für diese Gestaltungsidee“, so Burgauner. Und tatsächlich, bei einer direkten Gegenüberstellung der Firmenzentrale mit den umliegenden Gebirgszügen im Osten und Westen lassen sich farbliche Überschneidungen erkennen: das Schwarz des Aluminiums im dunklen Wald, die strukturierte Holzfläche im Gestein. Es liegt scheinbar in der Natur des Architekten, auf die umliegende Berglandschaft Bezug zu nehmen – davon zeugt auch seine Talstation der Umlaufbahn Seiser Alm, die auf dem Cover des PREFARENZEN Buchs 2017 abgebildet ist.

Es tut sich viel …

„Die Architektur in Südtirol hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark verändert: weg von der verspielten Bergsteigerarchitektur der Neunziger hin zu einer zeitgenössischen Formensprache, die durch eine neue Generation von Architekten und neue Materialien ermöglicht wird.“ Lukas Burgauners Büro widmet sich vornehmlich dem Umbau und der Erweiterung von Firmengebäuden. Aktuell plant das Team zwei Mobilitätszentren, eines davon in Brixen, eines in Bruneck, sowie das Logistikgebäude eines Getränkegroßhändlers. Dem Architekten gefällt es, dass sich einige Firmen mit der Zeit ein größeres Bewusstsein für Architektur angeeignet haben: „Viele von ihnen haben mittlerweile erkannt, dass ausdrucksstarke Gebäude mit Wiedererkennungswert ihre Corporate Identity vermitteln können, und zwar nachhaltig. Denn zeitgemäße Architektur spiegelt auch die Firma selbst wider.“

Rothoblaas Erweiterung - Details

Land:

Italien

Objekt, Ort:

Industriebau, Kurtatsch

Kategorie:

Erweiterung

Architektur:

Lukas Burgauner

Verarbeiter:

Trimont GmbH und Festi Lattonerie S.r.l.

Material:

PREFA Wandraute 44 x 44

Farbe:

P.10 Schwarz

weitere Infos:

  • Text & Interview: Anneliese Heinisch
  • Fotos: © Croce & Wir
  • Baustellenfotos: © Lukas Burgauner